Freitag, 7. Dezember 2012

Adventskalender: Silent Night, Bloody Night (1974)

Ein altes verwunschenes Haus und ein irrer, aus einem Sanatorium ausgebrochener Killer erweisen sich gelegentlich als völlig ausreichende Zutaten für einen stimmungsvollen Horrorfilm. Die Story um das Familienanwesen der Butlers, das nach Jahren des Leerstandes nun endlich verkauft werden soll, dient dabei lediglich als nettes Beiwerk. Seine Faszination und Wirkung zieht Silent Night, Bloody Night - hierzulande unter dem Titel Blutnacht - Das Haus des Todes gelaufen - aus den bedrohlichen Bildern und der kruden Atmosphäre. Regisseur Theodore Gershuny greift überdeutlich Motive aus Night of the Living Dead und The Texas Chain Saw Massacre auf und nimmt vier Jahre vor John Carpenters Halloween so manches Slasher-Element vorweg. Um diesen verstörenden Bilderrausch noch in die Höhe zu schrauben, reißt uns eine Rückblende in die 1930er Jahre auch visuell in die Vergangenheit. Optisch an die Stummfilme der Zwanziger angelehnt, sorgt sie für weitere intensive Schauwerte im Film. Abgerundet, oder eher aufgeraut wird das Erlebnis durch den Einsatz psychopatisch verfremdeter Weihnachtslieder im eindringlichen Score. Weit ab vom Mainstream gilt es hier, einen kleinen, dreckigen Chilling Classic des amerikanischen B-Kinos zu entdecken.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Adventskalender: Bad Santa (2003)

Willie ist so ein richtiges Arschloch. Er hängt den ganzen Tag an der Flasche (egal, welche) und zwischenmenschliche Nettigkeiten kennt er höchstens von der Durchreise. Den kleinen Marcus – seines Zeichens afroamerikanischer Liliputaner - hält das aber nicht davon ab, einmal im Jahr für vier Wochen nicht von Willies Seite zu rücken. Gemeinsam heuern sie nämlich zur Adventszeit in Kaufhäusern an und geben dort den Weihnachtsmann und seinen Elf. Sobald aber am Heiligen Abend die Lichter ausgehen, bescheren sich die beiden ihre eigenen Geschenke, indem sie den Laden kurzerhand leer räumen. Dieses Jahr haben sie allerdings einige unerwartete Weihnachtsnüsse zu knacken. Der Kaufhausdetektiv ist ziemlich auf Zack, die Santa-fetischistische Sue lässt auch nicht locker, und vor allem will ein kleiner, aber fetter Junge einfach nicht aufhören, an den Weihnachtsmann zu glauben...
Irgendwie gibt es doch viel zu wenig gute Weihnachtsfilme! Klar, ein paar schmucke Horror-Streifen zum Fest lassen sich schon finden, und der eine oder andere Actioner spielt auch zu besagter Jahreszeit. Aber eine richtig garstige Komödie, die dem Geist von Weihnachten mal kräftig das Tannenzäpfle in den Allerwertesten steckt, vermisst man eigentlich schon lange, oder?  
Bad Santa schafft hier Abhilfe. Schon der Anfang, der uns nach einem rührseligen Intro einen völlig besoffenen Nikolaus zeigt, wie er in eine Mülltonne kotzt, deutet an, dass hier nahezu wortwörtlich auf jedwede Weihnachts-Romantik geschissen wird.
Trotzdem muss Willie natürlich am nächsten Morgen wieder ran, um im roten Kostüm die Kinder zu erfreuen. Bei ihm sieht das dann in etwa so aus, dass er bei den begehrten „Fotos mit Santa“ einpennt oder sich selber mal ganz unbeschwert ans Bein pisst.
Irgendwann platziert sich dann aber ein übergewichtiger kleiner Junge auf Willies Schoß, der ihn für den echten Weihnachtsmann hält und fortan nicht mehr loslassen soll. Zunächst voller Abscheu betrachtet, wird diese kleine, dicke Nervensäge bald so etwas wie der Geist von Weihnachten für Willie, denn durch seine konsequente Naivität treibt er den Welt-Hasser zwar in den Wahnsinn, aber gleichsam auch in eine ihm zuvor wohl völlig unbekannte Richtung. So wechselt Bad Santa in der zweiten Hälfte durchaus immer wieder zwischen zwei atmosphärischen Extremen – Das goldgelockte Kind bringt sein ultimatives Idol beinahe zur Weißglut, wenn es die dämlichsten Fragen stellt – Aber der ausgebuffte Kinder-Hasser Willie lässt im Laufe der Zeit auch immer mehr durchblicken, dass er tatsächlich auch ein Herz hat. Dieses zeigt er besonders in einem der zynischsten Dialoge des Films, als er den kleinen Fettsack zusammengeprügelt vorfindet und sich daraufhin die verantwortlichen Rowdies vorknöpft: „Ich hab heut ein paar Kinder verprügelt… Endlich ist in meinem Leben mal was sinnvolles passiert.“
Wäre der Film nicht in Hollywood entstanden, hätte dieser Satz unter Umständen ein genial böses Ende bilden können. Doch leider gelten in der Traumfabrik andere Gesetze und so muss natürlich ein etwas glücklicheres Ende her. Immerhin hat Regisseur Terry Zwigoff dieses unerwartet spaßig inszeniert, zumindest schafft er es, nicht zu sehr ins Kitschige abzudriften. Stattdessen präsentiert er uns ein dem Thema Weihnachten angemessenes Ende, das insgesamt ganz gut zum Film passt.  
Auch wenn der erste Eindruck vermuten lassen könnte, dass man Bad Santa in eine ähnliche Ecke wie all jene scheußlichen US-Klamotten rund um irgendwelches Gebäck bzw. Überland-Fahrten schieben kann, steckt hier doch etwas mehr dahinter. Zwar kommt auch Bad Santa nicht ohne einen gewissen Grad an Gossen-Humor aus, aber es sind vor allem die ultimative Abneigung gegen so ziemlich alles, die Billy Bob Thornton wunderbar auf sein Gesicht zaubert, und die politisch herrlich unkorrekten Szenen, die den Film so sehenswert machen. Da wird dem Kaufhausmanager klar gemacht, dass er nicht so ohne weiteres einen kleinwüchsigen Schwarzen feuern kann, ganz gleich, ob die Entlassung gerechtfertigt wäre oder nicht.
Und da das Ende zwar etwas gemeiner hätte ausfallen können, man aber dennoch recht gut damit Leben kann, ist Bad Santa sowohl für winterliche Romantiker, als auch für Christkind-Hasser eine klare Empfehlung. Der (fast) perfekte (Anti-)Weihnachtsfilm.



Mittwoch, 5. Dezember 2012

Adventskalender: You Better Watch Out (1980)

Nach der Bescherung schleicht sich der kleine Harry am Heiligen Abend heimlich noch einmal aus seinem Kinderzimmer und beobachtet, wie sein als Weihnachtsmann verkleideter Vater an an seiner Mutter herumgrabbelt. Seitdem sind bei Harry einige Schrauben gelockert und auch Jahre später leidet er noch unter einem ausgeprägten Weihnachts-Tick. Sein ganzes Haus ist ganzjährig dekoriert, er selbst schläft im Santa-Outfit und tanzt mit einem Bart aus Rasierschaum durch die Bude. Vor allem aber führt der Psychopath Buch über die Kinder aus der Nachbarschaft und trägt selbst kleinste Sünden wie das Lesen eines Penthouse-Magazins in sein großes Buch ein. Als die Festtage schließlich vor der Tür stehen, ist Harry besessen von dem Gedanken, die braven Kinder zu belohnen und die unartigen zu bestrafen...
You Better Watch Out, der hierzulande eher als Christmas Evil oder Teuflische Weihnachten bekannt ist, braucht brutal lange, um halbwegs in die Gänge zu kommen. Fast eine Stunde lang passiert so gut wie gar nichts. Stattdessen sehen wir Harry bei seinem freakigen Tagesablauf, seinem deprimierenden Job und wie er die Kinder beobachtet. Das ganze soll wohl irgendwo an eine Milieustudie á la Maniac angelehnt sein, verfügt auch in einigen Szenen über eine schön kaputte Atmosphäre, allerdings reicht die Ausstrahlung und Präsenz von Brandon Maggart als Harry nun wirklich nicht aus, den Film ohne großartige Unterstützung seitens Story oder Inszenierung eine Stunde über Wasser zu halten.
Leider brennt Regisseur Lewis Jackson auch im Finale, wenn Harry sich endlich in sein rotes Kostüm wirft, kein wirkliches Feuerwerk ab. Die Effekte sind nicht der Rede Wert und nennenswerte Action oder Spannung kommen auch nicht auf. Doch immerhin macht der verrückte Weihnachtsmann, der planlos durch die Gegend fährt, in Kaminen stecken bleibt und wahllos Leute tötet, dank der düsteren Winterstimmung und der nach wie vor intensiv beklemmenden Atmosphäre durchaus Spaß. Und mit dem tobenden Mob, der Fackeln schwingend hinter dem irren Nikolaus her jagt, verfügt You Better Watch Out zudem noch über eine der klassischsten Zutaten des phantastischen Films, die jeder kennt, die man aber im Grunde nur selten in Szene gesetzt sieht.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Adventskalender: The Nightmare Before Christmas (1993)

In Halloweentown dreht sich alles um das Fest der Geister und Hexen. Alle Bewohner, seien sie Werwölfe, Vampire oder sonstige Spukgestalten, leben nur für den 31. Oktober. Jack Skellington hat die immer gleichen Aufgaben jedoch eines Tages satt und entdeckt, dass jeder Feiertag sein eigenes Dorf hat. So stößt er auf Zuckerstangen, Rentiere und geschmückte Tannenbäume und ist sogleich dermaßen begeistert vom Weihnachtsfest, dass er es prompt mit nach Halloweentown nehmen möchte.
Tim Burtons abgedrehte Halloween/Christmas-Mixtur hat längst Kultstatus erlangt und Jack Skellington zu einer Ikone des Undergrounds gemacht. Das Geheimnis liegt dabei weder in der kindgerechten Umsetzung, die auch Erwachsenen zugänglich bleibt, oder der Geschichte, die letztlich nur als Bühne für allerlei Augenschmaus dient, noch in der atemberaubenden Animation, die Burtons wahnwitzige Welt virtuos in Szene setzt. Das Bemerkenswerteste an The Nightmare Before Christmas ist die ausufernde Detailverliebtheit, die dem Film so viel Seele verleiht. Dazu gesellen sich ein wunderbar makaberer Humor und einige Ohrwurm-Songs mit selbst in der deutschen Synchronisation noch passablen Texten. Burton und Regisseur Henry Selick leben hier ihre Vorliebe für das Morbide mit liebevoller Hingabe und einem dicken Augenzwinkern aus und jeder, der keine grundsätzliche Abneigung gegen animierte Filme oder solche mit hohem Gesangsanteil hegt, dürfte den gleichen Spaß beim Anschauen haben, wie die Macher ihn offensichtlich bei der Produktion hatten.

Montag, 3. Dezember 2012

Adventskalender: Die Glücksritter (1983)

Der schnöselige Erfolgsbörsianer Louis Winthorpe III (Dan Akroyd) und der vorlaute Ganove Billy Ray Valentine (Eddie Murphy) geraten zu Marionetten eines stinkreichen Brüderpaares, das eine Wette darüber laufen hat, ob das Wesen eines Menschen von seinen Genen oder seinem Umfeld bestimmt wird. Dazu inszenieren sie einen perfiden Rollentausch und schanzen Valentine das Haus, den Butler und den Job von Winthorpe zu, während dieser ins Bodenlose fällt.
Komödien-Spezialist John Landis (Blues Brothers, Der Prinz aus Zamunda) kombiniert in Die Glücksritter zwei der angesagtesten Comedy-Darsteller und einige der besten Gags der 80er Jahre miteinander. Die Story folgt dem üblichen Schema, gerät aber dank der unbezahlbaren Dialoge völlig in den Hintergrund. Dementsprechend kommen Fans der Sprücheklopfer hier voll auf ihre Kosten. Bemerkenswert ist, dass Dan Akroyd dem glänzend aufgelegten Eddie Murphy phasenweise sogar die Show stielt, wenn er beispielsweise als heruntergekommener Weihnachtsmann volltrunken eine Party sprengt.
Darüber hinaus ist Trading Places, so der passendere Originaltitel, auch in den Nebenrollen erstklassig besetzt. James Belushi verbreitet als Mann im Gorilla-Kostüm jede Menge Spaß, Denholm Elliott (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug) spielt sich als gutmütiger Butler Coleman in die Herzen des Publikums und Jamie Lee Curtis Oben-Ohne-Szene wurde sogar 14 Jahre später in Wes Cravens Scream thematisiert - der angemessene Ritterschlag für eine unsterbliche Komödie.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Adventskalender: Silent Night, Deadly Night (1984)

Billy, der als Kind mit ansehen musste, wie seine Eltern von einem Mann im Weihnachtsmann-Kostüm ermordet wurden, und daraufhin im Waisenhaus von erzkonservativen Nonnen aufgezogen wurde, trägt eine tiefe Aversion gegen das Fest der Liebe in sich. Beim bloßen Anblick des fetten Kerls im roten Anzug dreht der Junge durch. Als Billy Jahre später den Nikolaus in einem Spielwarenladen geben muss, ist ein zünftiger Ausraster quasi vorprogrammiert. Auf der anschließenden Weihnachtsfeier schlitzt sich Billy dann erwartungsgemäß durch die gesamte Belegschaft des Geschäfts. Da der Heilige Abend jedoch noch andauert, zieht er mit Rauschebart durchs Städtchen und metztelt sich seinen Weg zu dem Waisenhaus, um Rache für all die Ohrfeigen und Stockschläge zu nehmen.
Stille Nacht, Horror Nacht lässt seinen Killer ganz in der Tradition von Klassikern wie Halloween, My Bloody Valentine, Prom Night oder natürlich Freitag der 13. nach dem Kalender meucheln. Der markanteste Unterschied zu anderen Vertretern des Genres besteht in der Exposition, die uns die Entsozialisierung Billys ausführlich veranschaulicht. Während Herkunft und Motivation des Mörders üblicherweise erst gegen Ende enthüllt werden, avanciert der Killer hier zum Protagonisten. Billys Kindheit verlangt dem Zuschauer durchaus Mitleid ab, die Qualen, die er ertragen musste, führen womöglich sogar zu einem gewissen Verständnis für seine Taten und die Inszenierung lässt gar keine andere Bezugsperson als ihn zu. Das allein könnte schon ausreichen, Silent Night, Deadly Night aus der Masse an 80er-Slashern herausstechen zu lassen, aber selbstverständlich brennt sich insbesondere der Amok laufende Santa ins Gedächtnis des Publikums.
Handwerklich und schauspielerisch liegt der Film auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie so viele seiner Vorbilder und Nachfolger, doch dies gibt letztlich nur Abzüge in der B-Note. Erfolg und Kult-Status eines Slashers richten sich nach anderen Spielregeln. Markante Mörder mit kreativen Methoden sind hier Trumpf, sonst würde einen Jason Vorhees heute keiner mehr kennen. Und so macht dieser wahnsinnige Weihnachtsmann Silent Night zu einem kleinen Klassiker, der gerade in der Adventszeit einen mords Spaß macht.

Samstag, 1. Dezember 2012

Adventskalender: One Hell of a Christmas (2002)

Als Carlitos auf Bewährung aus dem Knast kommt, hat er eigentlich nichts weiter im Sinn, als endlich ein unbescholtenes Leben zu führen und seinem Sohn ein perfektes Weihnachtsgeschenk zu besorgen. Mit Kumpel Mike kündigen sich allerdings auch schon die ersten Probleme an, und zwar in Form einer seltsamen Klaue, die der Gauner sich unrechtmäßig angeeignet hat. Gefüllt ist das Relikt mit einer schwarzen Superdroge, die von den beiden sogleich einer ausgiebigen Prüfung unterzogen wird. Und der Effekt ist wahrlich beeindruckend. Ein herbeigeordertes Callgirl muss den Trip gar mit dem Leben bezahlen, doch da das kleine Füllhorn mit schwarzer Magie angereichert zu sein scheint, kehrt die Gute aus ihrem hastig im Garten gescheffelten Grab zurück. Ab hier wird One Hell of a Christmas im Prinzip erst interessant. Denn nachdem die Zombie-Dirne erledigt ist, wandert der böse Geist von Weihnachten, oder was immer hier eigentlich Gegenstand des Films sein mag, der Reihe nach in einen Plüschwolf, einen Cowboy und eine Weihnachtsmann-Figur...
In diesen Momenten ist der dänische Weihnachts-Horror tatsächlich Trash vom Feinsten und entschädigt für so manche vorangegangene Länge. Da es sich bei diesen Highlights allerdings wirklich nur um Momente handelt und die komplette Inszenierung durchaus an so manchen Studentenfilm erinnert, ist One Hell of a Christmas letztendlich eher etwas für hartgesottene Undergroundler. In dieser Kategorie muss sich Shaky Gonzalez' Film trotz aufgesetzter Tarantino-Coolness aber auch wirklich nicht verstecken.